Plateosaurus

Zeitraum Späte Trias (vor 214-204 Millionen Jahren)
Ernährung Pflanzenfresser
Länge 6-10 Meter
Gewicht 1.000 kg

Plateosaurus: Der “Schwäbische Lindwurm” und Urvater der Riesen

Wenn wir über Dinosaurier sprechen, denken wir oft zuerst an die berühmten Giganten wie Tyrannosaurus rex aus Nordamerika oder den schnellen Velociraptor aus der Mongolei. Aber einer der wichtigsten, häufigsten und wissenschaftlich am besten untersuchten Dinosaurier der Welt kommt direkt aus unserer eigenen Nachbarschaft: Plateosaurus.

Gefunden in riesigen Mengen in Deutschland (Trossingen, Halberstadt, Heroldsberg), der Schweiz (Frick) und Frankreich, ist Plateosaurus so etwas wie der “Nationaldinosaurier” Mitteleuropas. Er lebte in der späten Trias (Norium bis Rhaetium), vor über 200 Millionen Jahren, als die ersten Dinosaurier gerade erst begannen, die Erde zu erobern und wirklich groß zu werden. Er war einer der allerersten Pflanzenfresser, der eine beeindruckende Größe erreichte und damit den Weg für die späteren Giganten ebnete.

Der “Prototyp” der Riesen: Ein Blick in die Evolution

Plateosaurus gehört zur Gruppe der Prosauropoden (oder korrekter: basale Sauropodomorpha). Das bedeutet, er ist ein früher Verwandter und direkter Vorläufer der gigantischen Langhalsdinosaurier (Sauropoden) wie Brachiosaurus, Diplodocus oder Apatosaurus, die Millionen Jahre später im Jura und der Kreidezeit die Erde beherrschen sollten.

  • Gestalt: Er hatte schon viele Merkmale seiner späteren Nachfahren: den typischen langen Hals, einen kleinen Kopf im Verhältnis zum Körper und einen langen, kräftigen Schwanz. Aber er war noch viel schlanker, agiler und beweglicher als seine tonnenschweren, säulenbeinigen Nachfahren.
  • Zweibeiner: Im Gegensatz zu den späteren Sauropoden, die auf allen vieren (quadruped) liefen, bewegte sich Plateosaurus fast ausschließlich auf zwei Beinen (biped) fort. Seine Vorderbeine waren zwar kräftig und muskulös, aber deutlich kürzer als die Hinterbeine und konnten biomechanisch nicht zum dauerhaften Laufen verwendet werden. Die Hände waren Greifwerkzeuge mit scharfen Daumenkrallen, die er geschickt einsetzen konnte.

Ein Massengrab in Trossingen: Das Pompeji der Dinosaurier

Einer der berühmtesten und reichsten Fundorte für Plateosaurus ist Trossingen in Baden-Württemberg. Hier wurden seit dem frühen 20. Jahrhundert hunderte von mehr oder weniger vollständigen Skeletten gefunden.

  • Warum so viele? Lange Zeit dachte man, diese Tiere seien bei einer einzigen großen Naturkatastrophe (wie einer gewaltigen Schlammlawine oder einem Sandsturm) gemeinsam umgekommen (“Herdenkatastrophe”).
  • Die Schlammfalle: Neuere Forschungen und moderne geologische Analysen (Taphonomie) zeigen jedoch ein dramatisches, aber anderes Szenario: Die Tiere blieben wahrscheinlich einzeln oder in kleinen Gruppen über einen längeren Zeitraum im Schlamm stecken. Sie versuchten, an Wasserlöchern zu trinken, die in der saisonalen Trockenzeit (ähnlich wie heute in der ostafrikanischen Savanne) austrockneten und zu klebrigen, tödlichen Fallen wurden. Da sie schwer waren (bis zu 4 Tonnen), sanken sie im weichen Sediment ein und kamen aus eigener Kraft nicht mehr heraus (“Mired-in-Modell”). Raubtiere und Aasfresser fraßen dann an den exponierten Teilen der Kadaver, aber die eingesunkenen Knochen blieben im Schlamm perfekt erhalten.
  • Erkenntnisse: Durch diese unglaubliche Masse an Funden wissen wir extrem viel über Plateosaurus: wie schnell er wuchs (sehr variabel), wie alt er wurde, welche Krankheiten er hatte, und dass es Männchen und Weibchen (Geschlechtsdimorphismus) gab. Es ist eine der besten “Datenbanken”, die wir für einen frühen Dinosaurier haben.

Lebensweise und Anpassung

Plateosaurus lebte in einer heißen, wüstenartigen Umgebung in Mitteleuropa (das damals als Teil des Superkontinents Pangäa viel näher am Äquator lag). Es gab Monsunregen, aber auch lange Trockenzeiten.

  • Nahrung: Er war ein Pflanzenfresser (Herbivore). Sein Kiefergelenk war tief angesetzt, was ihm einen kraftvollen Hebel und damit einen starken Biss verlieh. Zähne mit groben Zacken (Serrationen) halfen ihm, zähe Pflanzen wie Farne, Schachtelhalme (Equisetum) und die nadelartigen Blätter von Koniferen (Araukarien) abzurupfen und zu zerreißen.
  • Hände: Seine Hände waren nicht zum Laufen da, wie man früher dachte. Er konnte damit Äste greifen, heranziehen und manipulieren. Besonders auffällig und gefährlich war die riesige, sichelartige Daumenkralle. Sie diente wahrscheinlich primär zur Verteidigung gegen Raubtiere wie Liliensternus oder Rivalen, oder vielleicht auch, um Wurzeln und Knollen aus dem harten Boden auszugraben.
  • Atmung: Er hatte ein sehr fortschrittliches Atmungssystem mit Luftsäcken (vogelähnliche Lunge), die bis in die Knochen reichten. Das machte seine Atmung extrem effizient (“Durchströmungslunge”) und erlaubte ihm, trotz seiner Größe und der Hitze aktiv zu sein und schnell zu wachsen.

Interessante Fakten

  • Wachstum: Plateosaurus wuchs wie moderne Reptilien sein ganzes Leben lang weiter (unbestimmtes Wachstum), aber die Geschwindigkeit hing stark von den Umweltbedingungen (Nahrung, Klima) ab. Das ist anders als bei Säugetieren oder Vögeln, die schnell wachsen und dann aufhören.
  • Variabilität: Es gab ausgewachsene Individuen, die nur 5 bis 6 Meter lang wurden, und andere (vielleicht unter besseren Bedingungen aufgewachsen), die fast 10 Meter erreichten und bis zu 4 Tonnen wogen. Das zeigt eine enorme Anpassungsfähigkeit (Phänotypische Plastizität), die ihm half, in einer sich wandelnden Welt zu überleben.
  • Name: Der Name “Plateosaurus” wurde 1837 von Hermann von Meyer geprägt und bedeutet “Breite Echse” oder “Flache Echse”. Das bezog sich wohl ursprünglich auf die Form der Zähne oder Knochen, ist aber heute etwas irreführend, da das Tier eigentlich recht schlank und hochbeinig war.

Häufig gestellte Fragen

F: Ist er der direkte Vorfahre von Brachiosaurus? A: Er ist ein sehr naher Verwandter der direkten Vorfahren. Er gehört zum selben Ast des Stammbaums (Sauropodomorpha), aber Plateosaurus selbst war wahrscheinlich ein spezialisierter Seitenzweig, der am Ende der Trias ausstarb. Die “echten” Vorfahren der Sauropoden sahen ihm aber zum Verwechseln ähnlich und lebten zur gleichen Zeit.

F: Konnte er auf allen Vieren laufen? A: Nein, wahrscheinlich nicht gut oder gar nicht. Seine Hände waren anatomisch so gebaut, dass die Handflächen nach innen zeigten (“Klatsch-Haltung”), nicht nach unten (proniert) wie bei einem Hund oder Elefanten. Er konnte sich vielleicht kurz abstützen, um zu trinken oder aufzustehen, aber nicht dauerhaft quadruped laufen. Das biomechanische Modell schließt das aus.

F: Wo kann man ihn sehen? A: In fast jedem großen Naturkundemuseum in Deutschland (Stuttgart am Löwentor, Tübingen, Berlin, Münster) und der Schweiz (Sauriermuseum Frick) stehen beeindruckende Skelette und Montagen. Er ist der unbestrittene “Hausdinosaurier” Mitteleuropas und ein Highlight jeder Sammlung.

Plateosaurus ist der lebende Beweis (oder besser: der fossile Beweis), dass Dinosaurier nicht erst riesig werden mussten, um erfolgreich zu sein. Er war der Pionier der Giganten, der erste evolutionäre Schritt auf dem Weg zu den größten Landtieren aller Zeiten. Er beherrschte Europa lange bevor die berühmten amerikanischen Riesen überhaupt existierten.

Häufig gestellte Fragen

Wann lebte Plateosaurus?

Plateosaurus lebte während der Späte Trias (vor 214-204 Millionen Jahren).

Was fraß Plateosaurus?

Es war ein Pflanzenfresser.

Wie groß war Plateosaurus?

Es erreichte eine Länge von 6-10 Meter und wog 1.000 kg.