Thanos
Thanos: Der Dinosaurier mit dem Schurkennamen
Es kommt in der Wissenschaft nicht oft vor, dass ein neu entdeckter Dinosaurier nach einem weltberühmten Comic-Bösewicht benannt wird. Aber im Jahr 2018 taten brasilianische Paläontologen genau das und sorgten damit weltweit für Aufsehen. Sie benannten einen neu entdeckten, mittelgroßen Fleischfresser aus der Kreidezeit Brasiliens Thanos simonattoi, nach dem berüchtigten “Mad Titan” Thanos aus den Marvel-Comics und dem Marvel Cinematic Universe (MCU).
Der Grund für diese ungewöhnliche Namenswahl? Nun, Thanos (der Dinosaurier) war ein kräftiger, robuster Jäger, und sein Fossil war – passend zum Charakter, der mit einem Fingerschnippen das Universum veränderte – nicht ganz vollständig, aber stark genug, um einen bleibenden und “mächtigen” Eindruck zu hinterlassen. Die Forscher wollten damit auch die Popkultur ehren und die Paläontologie einem breiteren, jüngeren Publikum näherbringen.
Ein brasilianischer Abelisauride: Der Herrscher des Südens
Thanos gehörte zur Gruppe der Abelisauridae. Das waren die dominanten Raubdinosaurier auf der gesamten Südhalbkugel (dem Urkontinent Gondwana) während der späten Kreidezeit. Während im Norden (Nordamerika und Asien) die Tyrannosaurier die Spitze der Nahrungskette bildeten, waren es im Süden (Südamerika, Afrika, Indien, Madagaskar) die Abelisauriden.
- Aussehen: Wie alle typischen Abelisauriden hatte Thanos wahrscheinlich einen sehr kurzen, hohen und massiven Schädel (“Bulldoggen-Schnauze”) und extrem winzige, fast nutzlose Arme (noch kleiner und verkümmerter als die von T. rex!). Seine Beine waren dagegen lang und kräftig.
- Größe: Er war kein gigantischer Riese wie Tyrannosaurus oder Giganotosaurus, aber mit einer geschätzten Länge von etwa 5,5 bis 6,5 Metern war er ein ernstzunehmender mittelgroßer Räuber. Er besetzte wahrscheinlich eine ähnliche ökologische Nische wie ein Leopard oder ein Jaguar heute.
Der Fund: Ein Schatz im Wirbel
Thanos wurde in der São José do Rio Preto Formation (Teil der Bauru-Gruppe) im Bundesstaat São Paulo in Brasilien gefunden.
- Knochen: Wir haben leider bisher nur sehr wenige Knochen von ihm: einen fast vollständigen Axis-Wirbel (der zweite Halswirbel, der den Kopf dreht) und einige andere Fragmente. Das ist in der Paläontologie oft so; man muss aus wenigen Puzzleteilen das ganze Bild rekonstruieren.
- Identifikation: Trotz der wenigen Teile ist dieser Axis-Wirbel so einzigartig und robust geformt (mit tiefen Gruben und kräftigen Fortsätzen), dass die Forscher (unter der Leitung von Rafael Delcourt und Fabiano Vidoi Iori) absolut sicher waren, eine völlig neue Art vor sich zu haben. Er unterscheidet sich deutlich von anderen bekannten Abelisauriden wie dem gehörnten Carnotaurus aus Argentinien oder Majungasaurus aus Madagaskar.
Lebensweise und Ökologie
Thanos teilte seinen Lebensraum in der späten Kreidezeit (Santoninum) mit einer faszinierenden Mischung anderer Dinosaurier.
- Konkurrenz: Interessanterweise lebte er zusammen mit einem noch größeren Raubdinosaurier aus der Gruppe der Megaraptoriden (wahrscheinlich Megaraptor oder ein Verwandter). Megaraptoriden waren schlanker, hatten riesige Handkrallen (“Sensenklauen”) und lange Schnauzen. Um direkte Konkurrenz zu vermeiden, jagten sie wahrscheinlich unterschiedliche Beute (“Nischentrennung”).
- Thanos (der Abelisauride) war mit seinem kurzen, kräftigen Schädel und starken Biss wahrscheinlich auf langsamere, aber robustere Beute spezialisiert.
- Der Megaraptoride war wahrscheinlich auf schnellere, flinkere Beute spezialisiert, die er mit seinen Handkrallen griff.
- Beute: In seiner Umgebung gab es riesige Titanosaurier (Langhalsdinosaurier) wie Uberabatitan und Baurutitan. Als Abelisauride war Thanos wahrscheinlich darauf spezialisiert, Fleischstücke aus den Flanken dieser großen Tiere zu reißen (“Flesh-Grazing”) oder deren Jungtiere zu jagen. Auch Krokodilverwandte (Baurusuchus) waren häufig und stellten Konkurrenz oder Beute dar.
Warum “Thanos”? Mehr als nur ein Gag
Die Benennung nach dem Marvel-Schurken sorgte weltweit für Schlagzeilen und brachte dem bis dahin unbekannten Fossil viel Aufmerksamkeit.
- Die Begründung: Die Forscher wählten den Namen nicht nur aus Spaß, sondern auch, weil der gefundene Wirbelknochen “robust, breit und kraftvoll” aussah – Eigenschaften, die man mit dem Titanen Thanos verbindet. Zudem steht der Name Thanos (kurz für Thanatos) im Griechischen für den Tod, was für einen Raubdinosaurier immer passend ist.
- Der Artname: Der Artname simonattoi ehrt Antonio de Celso Arruda Campos (bekannt als “Simonatto”), einen lokalen Fossiliensammler und Paläontologen, der viel zur Erforschung der Region beigetragen hat.
Interessante Fakten
- Verwandtschaft: Sein engster Verwandter (Schwestertaxon) ist wahrscheinlich der berühmte Carnotaurus, der “Fleischfressende Stier” mit den Hörnern aus Argentinien. Thanos gehört zur Unterfamilie der Brachyrostra (“Kurzschnäuzige”).
- Haut: Wir wissen nicht direkt, wie seine Haut aussah, aber viele verwandte Abelisauriden (wie Carnotaurus) hatten eine Haut, die mit Reihen von großen, knöchernen Höckern oder Schuppen bedeckt war, was ihnen ein gepanzertes Aussehen verlieh.
- Klima: Er lebte in einem heißen, saisonal trockenen Klima (semi-arid), ähnlich einer heutigen Savanne.
Häufig gestellte Fragen
F: Hatte er auch einen Infinity Gauntlet (Handschuh)? A: Nein, ganz im Gegenteil! Seine Arme waren so winzig und verkümmert (vestigiär), dass er wahrscheinlich nicht einmal einen Ellbogen biegen oder seine Finger einzeln bewegen konnte. Sie hingen nutzlos am Körper herab. Er jagte nur mit seinem Maul.
F: War er lila wie im Comic? A: Wir wissen es nicht, da Hautfarben nicht versteinern. Aber da Dinosaurier (wie Vögel) wahrscheinlich Farben sehen konnten, ist es durchaus möglich, dass er bunte Hautpartien am Kopf oder Hals zur Schau trug, um Partner anzulocken. Lila ist in der Natur selten, aber Rot oder Orange wären denkbar.
F: Wie groß war er im Vergleich zu T. rex? A: Deutlich kleiner. Thanos war etwa 5-6 Meter lang und wog rund eine Tonne. T. rex war doppelt so lang (12 Meter) und fast achtmal so schwer. Aber in seiner Umgebung war Thanos trotzdem ein Top-Prädator.
Thanos ist ein Beweis dafür, dass Paläontologen Humor haben und mit der Zeit gehen. Aber er ist auch ein wichtiges wissenschaftliches Puzzleteil, um die Vielfalt und Evolution der Raubdinosaurier in Südamerika kurz vor dem Massenaussterben zu verstehen. Er war ein realer “Titan” seiner kleinen Welt.
Häufig gestellte Fragen
Wann lebte Thanos?
Thanos lebte während der Späte Kreidezeit (vor 86-83 Millionen Jahren).
Was fraß Thanos?
Es war ein Fleischfresser.
Wie groß war Thanos?
Es erreichte eine Länge von 5-6 Meter und wog 1.000 kg.